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Vanessa Jansche

Sprecherin der Promovenden seit Januar 2016

 

Die politische Dimension der Selbsterkenntnis – Platons Dialog ‘Alkibiades I’

Politik impliziert stets eine Vorstellung darüber, was der Mensch, als Urheber und Adressat politischer Handlungen, eigentlich ist. Somit ist es nicht verwunderlich, wenn der philosophische Zugang zur Politik am zugrunde gelegten Selbstverständnis des Menschen ansetzt. Selbsterkenntnis im Sinne eines Wissens um den Menschen als solchen vernachlässigt jedoch das im Begriff angelegte reflexive Moment. Ein umfassenderes Verständnis von Selbsterkenntnis muss daher immer den Bezug zum je eigenen Selbst mitdenken, ohne jedoch dabei Gefahr zu laufen, den Einzelnen in seiner Selbstbezüglichkeit verharren zu lassen und ihn somit von der politischen Gemeinschaft zu isolieren.
Ein Text, der die reflexive individuelle Seite der Selbsterkenntnis hervorhebt und sie explizit mit der Frage nach politischer Herrschaft verknüpft, ist Platons Dialog Alkibiades I. Das sogenannte Spiegelgleichnis im Alkibiades I impliziert, dass sich der vernünftige Teil der Seele – das wahre Selbst gemäss Platon – erkennen kann, indem es sich in einer anderen Seele widerspiegelt. Dies wird in der Forschung häufig als Hinweis auf den Dialog gedeutet. Ausgehend von diesem Interpretationsansatz ist es daher das Ziel des Dissertationsprojekts, die Prüfung der im Text vorgebrachten Politik- und Gerechtigkeitsvorstellungen nachzuvollziehen, um ergründen zu können, inwiefern der sokratische Dialog einen Weg zur Selbsterkenntnis darstellt.

 

Assistentin am Lehrstuhl Prof. Dr. Dr. Kley (Politikwissenschaft) an der Universität St. Gallen.