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Susanne Friedl

Der brasilianische Bürgerbegriff im 20. Jahrhundert – Cidadania im Spannungsfeld von Trans- und Multikulturalität

Brasilien – ein Land mit gegensätzlichen Konnotationen. Einerseits positioniert sich der Riese sowohl auf dem südamerikanischen Subkontinent als Regionalmacht als auch im internationalen Ranking trotz Rezession und Inflation als siebtgrößte Wirtschaftsmacht. Andererseits leidet das Land unter einer traditionell attestierten Rückständigkeit. Mit der Re-Demokratisierung in den 1980er Jahren machte es sich die staatliche Politik zum Ziel dieses Stigma zu überwinden und Brasilien zu einer postmodernen, multikulturellen Gesellschaft zu entwickeln. Interessant erscheint dabei, dass sich das Kultur- und Identitätsverständnis der brasilianischen Politik im Vergleich zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von einer transkulturellen Vorstellung der kulturellen Verflechtung hin zu einem multikulturellen Konzept transformiert hat.

Das Promotionsvorhaben wird von der Fragestellung geleitet, in welchem Verhältnis das brasilianische Bürgersein (Cidadania) und das offizielle Kulturmodell im Rahmen der Transformationen des 20. Jahrhunderts stehen. Dabei wird der klassische Bürgerbegriff nach Thomas H. Marshall mit seiner Dreiteilung in politische, zivile und soziale Rechte in Beziehung zu der Entwicklung des offiziellen brasilianischen Kulturkonzepts gesetzt. Dabei soll untersucht werden, inwiefern der Wandel von einer trans- hin zu einer multikulturellen politischen Ausrichtung die einzelnen Dimensionen des Bürgerseins beeinflusst hat. Ebenfalls stellt sich die Frage, ob nicht ein veränderter Bürgerbegriff oder eine Verschiebung in der Gewichtung der Dimensionen des klassischen Bürgerbegriffs nach Marshall die Transformation des offiziellen Kulturmodells bewirkt haben.

Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politische Philosophie und Ideengeschichte an der Universität Regensburg