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Nasser Ahmed

Biopolitische Perspektiven. Zwischen Lebensmacht bei Ernst Jünger und Biomacht bei Michel Foucault

Ausgangspunkt des vorliegenden Dissertationsprojekts ist die Lektüre von Ernst Jüngers Arbeiter und Michel Foucaults Der Wille zum Wissen. Hierbei fallen überraschende Parallelen auf, die mit klassischen Typologisierungen des politischen Denkens nicht zu begreifen sind. Deutlich sind diese Parallelen bei den Konzepten der Jünger’schen Lebensmacht und der Foucault’schen Biomacht sichtbar. Mit klassischen Typologisierungen, wie etwa ‚Liberalismus’, ‚Faschismus’, ‚Pragmatismus’, usw. lassen sich diese nicht erklären. Dies liegt an der Distanz der beiden Autoren in diesen Typologisierungen. Genau an dieser Stelle sehe ich eine Lücke im Typologisierungssystem politischen Denkens in der Moderne. Denn es scheint mir mehr als nur zufällige Parallelen zwischen dem Konstrukt der Jünger’schen Lebens- und der Foucault’schen Biomacht zu geben. Beide scheinen mir auf derselben Seite einer fundamentalen Zweiteilung des politischen Denkens der Moderne zu stehen. Bei dieser Zweiteilung geht es um eine grundlegende Frage des Verständnisses des Politischen in der Moderne, auf das es meiner Meinung nach in der politischen Philosophie zwei entgegengesetzte Antworten gibt. Es geht um die Frage, ob das Politische eher eine Funktion der Verständigung und des Geistigen ist, oder ob das Politische eher eine Funktion des Krieges/Kampfes und des Körperlichen ist. Hier könnte eine trennende Linie durch das politische Denken in der Moderne gezogen werden, die Ernst Jünger und Michel Foucault derselben Seite zuordnen würde. Diese Linie zu ziehen kann durch die dadurch entstehenden Idealtypen (Politisches als Vernunft, Geistiges – Politisches als Krieg/Kampf, Körperliches) helfen, politische Theorien in ihren Abstandsverhältnissen zu diesen beiden Polen neu einzuordnen und daraus analytische Schlüsse zu ziehen. Diese Schlüsse würden quer zu den klassischen Typologisierungen liegen. Die vorliegende Dissertation soll hierbei den ersten Schritt einer Typenbildung darstellen.